Double IPA
Double IPA
Double IPA (auch DIPA oder Imperial IPA) ist ein kräftiger, hopfenbetonter Bierstil und eine stärkere Variante des IPA. Charakteristisch sind ein hoher Alkoholgehalt, eine intensive Hopfenaromatik und meist eine deutliche Bittere.
Double IPAs werden überwiegend obergärig gebraut. Typische Aromen reichen von Zitrusfrüchten und tropischen Früchten bis zu harzigen, pinienartigen, floralen oder würzigen Noten.
Ein wesentliches Merkmal moderner Double IPAs ist die großzügige Verwendung von Hopfen, häufig ergänzt durch eine intensive Kalthopfung.
Eigenschaften
| Merkmal | Typische Ausprägung |
|---|---|
| Bierstil | Starkes India Pale Ale |
| Gärung | Obergärig |
| Alkoholgehalt | meist etwa 7,5–10,5 % vol. |
| Stammwürze | meist etwa 16–22 °P |
| Farbe | Hellgold bis kupferfarben |
| Erscheinungsbild | Klar bis deutlich trüb |
| Geschmack | Stark hopfenbetont, fruchtig, bitter und malzig |
| Bittere | Hoch bis sehr hoch |
| Kohlensäure | Mittel bis hoch |
Die tatsächlichen Werte können je nach Rezeptur und Interpretation des Bierstils erheblich variieren.
Geschichte
Das Double IPA entstand aus der Entwicklung des amerikanischen Craft-Bier-Sektors.
In den Vereinigten Staaten begannen Brauereien, das klassische IPA zunehmend stärker und hopfenintensiver zu interpretieren. Dabei wurden sowohl die Stammwürze als auch die eingesetzte Hopfenmenge erhöht.
Als wichtiger Vertreter der frühen Entwicklung gilt Pliny the Elder der kalifornischen Brauerei Russian River Brewing Company.
Der Stil verbreitete sich anschließend international und wurde von zahlreichen Brauereien aufgegriffen und weiterentwickelt.
Die Bezeichnungen „Double IPA“, „DIPA“ und „Imperial IPA“ werden heute teilweise synonym verwendet.
Unterschied zum IPA
Das Double IPA ist grundsätzlich stärker und meist intensiver gehopft als ein klassisches IPA.
| Merkmal | IPA | Double IPA |
|---|---|---|
| Alkoholgehalt | meist etwa 5,5–7,5 % vol. | meist etwa 7,5–10,5 % vol. |
| Stammwürze | moderat bis hoch | hoch |
| Hopfenmenge | hoch | sehr hoch |
| Bittere | mittel bis hoch | hoch bis sehr hoch |
| Körper | leicht bis mittel | mittel bis kräftig |
| Alkoholwärme | gering bis moderat | häufig deutlich wahrnehmbar |
Die Grenzen zwischen IPA und Double IPA sind nicht absolut festgelegt.
Zutaten
Die wichtigsten Rohstoffe sind:
Zusätzlich können je nach Rezeptur weitere Getreidesorten oder Zucker eingesetzt werden.
Beim Double IPA steht insbesondere der Hopfen im Mittelpunkt.
Malz
Die Malzbasis eines Double IPAs muss genügend vergärbare Zucker liefern, um den hohen Alkoholgehalt zu ermöglichen.
Gleichzeitig darf der Malzkörper den Hopfencharakter nicht vollständig überdecken.
Typische Malzsorten beziehungsweise Malztypen können sein:
helles Gerstenmalz Pale Ale Malz Pilsner Malz Münchner Malz in kleineren Anteilen Karamell- beziehungsweise Crystalmalze je nach Rezeptur
Moderne Double IPAs sind häufig vergleichsweise hell und trocken vergoren.
Hopfen
Hopfen ist das zentrale Charaktermerkmal des Double IPAs.
Je nach Hopfensorten können intensive Aromen von:
Grapefruit Zitrone Limette Orange Mango Maracuja Ananas Pfirsich Aprikose Beeren Pinie Harz Kräutern Blüten
entstehen.
Häufig werden mehrere Hopfensorten miteinander kombiniert.
Hopfengaben
Hopfen kann in verschiedenen Phasen des Brauprozesses eingesetzt werden.
Typische Hopfengaben sind:
Bitterhopfengabe während des Würzekochens späte Hopfengaben Whirlpool-Hopfung Kalthopfung
Bei modernen Double IPAs wird häufig ein großer Teil der Hopfenmenge für späte Hopfengaben und die Kalthopfung verwendet.
Kalthopfung
Die Kalthopfung ist bei vielen Double IPAs ein wichtiger Bestandteil des Brauverfahrens.
Dabei wird Hopfen nach dem Würzekochen, häufig während oder nach der Gärung, mit dem Bier in Kontakt gebracht.
Ziel ist die Extraktion intensiver Hopfenaromen.
Besonders häufig werden moderne Aromahopfensorten verwendet, die intensive Frucht- und Zitrusaromen erzeugen.
Eine sehr starke Kalthopfung kann allerdings auch zu erhöhtem Hopfenverlust, zusätzlicher Trübung und dem Phänomen Hop Creep führen.
Gärung
Double IPA wird üblicherweise mit einer obergärigen Hefe vergoren.
Für viele Interpretationen werden Hefestämme verwendet, die eine relativ hohe Vergärung ermöglichen.
Eine gute Vergärung ist wichtig, damit das Bier trotz der hohen Stammwürze nicht übermäßig süß oder schwer wirkt.
Die Gärtemperatur beeinflusst die Entstehung von Estern und damit das Fruchtprofil des Bieres.
Alkoholgehalt
Der Alkoholgehalt eines Double IPAs liegt häufig zwischen 7,5 und 10,5 % vol..
Einige besonders starke Varianten können diesen Bereich überschreiten.
Der hohe Alkoholgehalt sollte möglichst gut in die Hopfen- und Malzaromatik eingebunden sein.
Eine deutliche alkoholische Wärme ist bei einem starken Double IPA nicht ungewöhnlich, sollte jedoch nicht unangenehm scharf wirken.
Bittere
Double IPAs gehören zu den deutlich bitteren Bierstilen.
Die Bittere stammt vor allem aus den während der Würzekochung isomerisierten Alphasäuren des Hopfens.
Die tatsächlich wahrgenommene Bittere hängt jedoch nicht ausschließlich vom gemessenen Bitterwert ab.
Auch Faktoren wie:
Restextrakt Alkoholgehalt Wasserzusammensetzung Hopfensorten Maischverfahren pH-Wert Hopfengaben
beeinflussen die Wahrnehmung.
Farbe und Aussehen
Double IPA kann von hellgold bis kupferfarben reichen.
Moderne Varianten sind häufig relativ hell.
Die Trübung hängt stark von Rezeptur und Brauverfahren ab. Insbesondere stark kaltgehopfte Varianten können deutlich trüb erscheinen.
Das Schaumbild kann durch die hohe Hopfenmenge, den Alkoholgehalt und die Zusammensetzung der Würze beeinflusst werden.
Körper und Mundgefühl
Das Mundgefühl eines Double IPAs reicht von mittel bis kräftig.
Trotz der hohen Stammwürze wird häufig ein relativ trockener Eindruck angestrebt.
Eine zu hohe Restsüße kann die Hopfenbittere und den Alkohol stärker hervortreten lassen.
Ein ausgewogenes Double IPA verbindet deshalb:
kräftige Hopfenaromen deutliche Bittere ausreichenden Malzkörper hohe Trinkbarkeit trotz erhöhtem Alkoholgehalt
Wasser
Die Wasserzusammensetzung spielt beim Double IPA eine wichtige Rolle.
Besonders das Verhältnis von Sulfat und Chlorid kann die Wahrnehmung von Bittere, Hopfen und Körper beeinflussen.
Ein höherer Sulfatgehalt kann die Hopfenbittere und Trockenheit stärker hervorheben, während Chlorid stärker zum Eindruck von Körper und Vollmundigkeit beitragen kann.
Die optimale Wasserzusammensetzung hängt jedoch von der jeweiligen Rezeptur ab.
Moderne Varianten
Das Double IPA hat sich seit seiner Entstehung in zahlreiche Richtungen entwickelt.
Dazu gehören beispielsweise:
klassische amerikanische Double IPAs West Coast Double IPAs New England Double IPAs hazy Double IPAs moderne hopfenaromatische DIPA-Varianten
Dabei unterscheiden sich Bittere, Trübung, Hefeeinsatz und Hopfenprofil teilweise deutlich.
West Coast Double IPA
Ein West Coast Double IPA orientiert sich an der klassischen amerikanischen Interpretation.
Typisch sind:
hohe Bittere trockener Körper klare bis leicht trübe Optik Zitrusnoten Piniennoten harzige Hopfenaromen deutliche Hopfenpräsenz
Das Malzprofil bleibt meist zurückhaltend.
New England Double IPA
Das New England Double IPA beziehungsweise NE DIPA orientiert sich am Stil des New England IPA.
Typisch sind:
starke Trübung sehr intensive Hopfenaromen tropische Früchte Zitrusfrüchte Steinfrüchte weicheres Mundgefühl häufig geringere wahrgenommene Bittere als bei klassischen West Coast Double IPAs
Große Mengen an Aromahopfen und Kalthopfung spielen eine wichtige Rolle.
Double IPA und Imperial IPA
Die Begriffe Double IPA und Imperial IPA werden im modernen Biermarkt häufig gleichbedeutend verwendet.
„Imperial“ wird dabei allgemein verwendet, um eine besonders kräftige beziehungsweise stärkere Version eines Bierstils zu kennzeichnen.
Es existiert jedoch keine weltweit verbindliche Definition, nach der jedes Imperial IPA exakt einen bestimmten Alkohol- oder Bitterwert besitzen muss.
Bekannte Double IPAs
Zu den bekannten Vertretern des Bierstils gehören unter anderem:
Pliny the Elder – Russian River Brewing Company Hoptimum – Sierra Nevada Brewing Company 90 Minute IPA – Dogfish Head Craft Brewery
Diese Biere stehen für unterschiedliche Interpretationen des Double- beziehungsweise Imperial-IPA-Stils.
Speisenbegleitung
Aufgrund seiner intensiven Aromatik eignet sich Double IPA besonders zu kräftig gewürzten Speisen.
Geeignet sind beispielsweise:
Burger gegrilltes Fleisch würzige Fleischgerichte scharfe Speisen mexikanische Küche indische Küche Thai-Gerichte kräftiger Käse stark gewürzte vegetarische Gerichte
Die Hopfenbittere kann insbesondere mit fettreichen Speisen einen interessanten Kontrast bilden.
Servieren
Double IPA wird häufig bei etwa 8–12 °C serviert.
Für die intensive Hopfenaromatik eignen sich Gläser mit ausreichend großer Öffnung, beispielsweise IPA- oder Pint-Gläser.
Zu kaltes Servieren kann die komplexe Aromatik des Bieres unterdrücken.
Lagerung
Hopfenbetonte Biere sind besonders empfindlich gegenüber Sauerstoff und Wärme.
Double IPAs sollten deshalb möglichst:
kühl dunkel sauerstoffarm
gelagert und möglichst frisch getrunken werden.
Eine längere Lagerung führt insbesondere bei stark hopfenbetonten Bieren häufig zu einem Verlust der frischen Hopfenaromen.
Bedeutung für die Craft-Bier-Szene
Double IPA gehört zu den Bierstilen, die die Entwicklung der modernen Craft-Bier-Bewegung wesentlich geprägt haben.
Die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Hopfensorten, Hopfengaben und Kalthopfungsverfahren zu experimentieren, machte das Double IPA zu einem wichtigen Experimentierfeld für Brauereien.
Insbesondere amerikanische Hopfensorten und später neue Aromahopfen aus verschiedenen Anbaugebieten haben die Entwicklung des Bierstils beeinflusst.
Siehe auch
IPA New England IPA Pale Ale Kalthopfung Hopfen Hopfenöl Bierhefe Obergäriges Bier Brauverfahren Craft-Bier Bierstile
Quellen und Literatur
Fachliteratur über amerikanische Bierstile Fachliteratur über Hopfen und Hopfenaromatik Literatur über Craft-Bier und die Entwicklung des IPA Fachliteratur über Bierhefen und Gärführung Veröffentlichungen zur Hopfenchemie und Kalthopfung