Kellerbier
Kellerbier
Kellerbier ist ein traditionelles, meist untergäriges Bier aus Deutschland, das ursprünglich direkt aus dem Lagerkeller ausgeschenkt wurde. Charakteristisch ist, dass Kellerbier häufig ungefiltert und teilweise auch unpasteurisiert angeboten wird.
Durch den Verzicht auf eine vollständige Filtration bleiben Hefen und andere natürliche Bestandteile im Bier erhalten. Dadurch kann Kellerbier trüb erscheinen und einen ausgeprägten, frischen sowie malzigen Geschmack besitzen.
Besonders eng ist Kellerbier mit der fränkischen Bierkultur verbunden. Dort wird es traditionell auch als Kellerbier oder Zwickelbier bezeichnet.
Begriff
Der Begriff Kellerbier bezeichnet ursprünglich ein Bier, das direkt aus dem Lagerkeller ausgeschenkt wird.
Traditionell wurde das Bier nach der Reifung nicht filtriert, sondern aus dem Lagerfass oder Lagertank entnommen.
Die Bezeichnung beschreibt daher in erster Linie eine traditionelle Art der Lagerung und des Ausschanks und nicht zwingend eine vollständig einheitliche Rezeptur.
Kellerbiere können sich hinsichtlich Farbe, Alkoholgehalt, Bittere und Malzcharakter unterscheiden.
Geschichte
Die Ursprünge des Kellerbiers liegen in der traditionellen deutschen Bierherstellung.
Bevor moderne Filtrations- und Abfüllverfahren weit verbreitet waren, wurde Bier häufig direkt aus den Lagerkellern ausgeschenkt.
Insbesondere in Franken entwickelten sich zahlreiche Brauereien, die ihr Bier in unterirdischen oder in den Fels geschlagenen Kellern lagerten.
Die kühlen Temperaturen dieser Keller waren ideal für die Lagerung von untergärigen Bieren.
Das Bier wurde nach der Reifung häufig direkt aus dem Lagerbehälter ausgeschenkt und nicht vollständig filtriert.
Fränkische Kellerbiertradition
Franken gilt als eine der wichtigsten Regionen für traditionelle Kellerbiere.
Viele kleinere Brauereien verfügen über eine lange Geschichte der Lagerung und des Ausschanks direkt aus dem Keller.
Kellerbier wird dort häufig in:
Biergärten traditionellen Gasthäusern Brauereigaststätten historischen Bierkellern
ausgeschenkt.
Besonders im Sommer gehört Kellerbier in vielen Regionen zur traditionellen fränkischen Biergartenkultur.
Zwickelbier
Zwickelbier ist eng mit Kellerbier verwandt.
Der Begriff geht auf den sogenannten Zwickelhahn zurück. Über diesen Hahn kann während der Lagerung eine kleine Bierprobe aus einem Tank oder Fass entnommen werden.
Das so entnommene Bier ist typischerweise ungefiltert und enthält noch Hefe.
Heute werden die Begriffe „Kellerbier“ und „Zwickelbier“ teilweise synonym verwendet. Je nach Brauerei können sie jedoch unterschiedliche Varianten bezeichnen.
Herstellung
Kellerbier wird traditionell ähnlich wie andere untergärige Biere hergestellt.
Der grundlegende Prozess umfasst:
Schroten: Das Gerstenmalz wird geschrotet. Maischen: Das Malz wird mit Wasser vermischt und erhitzt. Läutern: Die Würze wird von den festen Bestandteilen getrennt. Würzekochen: Die Würze wird gekocht und mit Hopfen versetzt. Kühlen: Die Würze wird auf die gewünschte Temperatur abgekühlt. Hefegabe: Untergärige Hefe wird zugesetzt. Hauptgärung: Die Hefe vergärt die Würze. Lagerung: Das Jungbier reift über einen längeren Zeitraum bei niedrigen Temperaturen. Abfüllung oder Ausschank: Das Bier wird ohne vollständige Filtration ausgeschenkt oder abgefüllt.
Das genaue Herstellungsverfahren kann je nach Brauerei erheblich variieren.
Gärung
Kellerbier wird überwiegend mit untergäriger Hefe hergestellt.
Typischerweise werden Hefen der Art Saccharomyces pastorianus verwendet.
Die Gärung erfolgt bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen.
Anschließend wird das Bier über einen längeren Zeitraum kalt gelagert.
Diese Lagerung ist charakteristisch für die deutsche untergärige Biertradition.
Filtration
Ein wesentliches Merkmal vieler Kellerbiere ist der Verzicht auf eine vollständige Filtration.
Bei filtrierten Bieren werden Hefezellen und andere Schwebstoffe weitgehend entfernt.
Beim Kellerbier verbleiben diese Bestandteile dagegen teilweise im Bier.
Dadurch kann Kellerbier:
naturtrüb erscheinen Hefearomen besitzen einen volleren Geschmack aufweisen einen weicheren Eindruck vermitteln
Die Trübung ist jedoch kein zwingendes Merkmal jedes Kellerbiers.
Pasteurisierung
Viele traditionelle Kellerbiere werden nicht pasteurisiert.
Bei der Pasteurisierung wird das Bier erhitzt, um Mikroorganismen zu inaktivieren und die Haltbarkeit zu erhöhen.
Der Verzicht auf eine Pasteurisierung kann dazu beitragen, bestimmte frische Aromaeindrücke besser zu erhalten.
Dafür ist das Bier in der Regel empfindlicher gegenüber Lagerbedingungen und Alterung.
Nicht jedes kommerziell als Kellerbier bezeichnete Bier ist jedoch zwangsläufig vollständig unpasteurisiert.
Farbe
Kellerbier kann unterschiedliche Farben besitzen.
Typische Farbtöne reichen von:
hellgelb goldgelb bernsteinfarben kupferfarben
Fränkische Kellerbiere sind häufig hell bis bernsteinfarben.
Die genaue Farbe hängt von der verwendeten Malzschüttung ab.
Geschmack und Aroma
Kellerbier besitzt häufig einen ausgeprägten und vergleichsweise ursprünglichen Biercharakter.
Typische Eigenschaften können sein:
malzige Aromen Getreide Brot Kräuter florale Hopfennoten leichte Hefearomen moderate Bittere trockener bis malziger Abgang
Durch die fehlende Filtration kann das Bier aromatisch etwas intensiver und weniger „blank“ wirken als ein filtriertes Lagerbier.
Hopfen
Hopfen sorgt bei Kellerbier für Bittere und Aroma.
Traditionelle Kellerbiere werden häufig mit klassischen europäischen Hopfensorten gebraut.
Mögliche Hopfenaromen sind:
Kräuter Blumen Gewürze leichte Zitrusnoten
Die Hopfenintensität ist meist moderat.
Bei vielen Kellerbieren steht die Balance zwischen Malz, Hopfen und Hefe im Vordergrund.
Malz
Gerstenmalz bildet die Grundlage der meisten Kellerbiere.
Je nach Rezept können unterschiedliche Malzsorten verwendet werden.
Häufig kommen helle Basismalze zum Einsatz, beispielsweise:
Pilsner Malz Wiener Malz Münchner Malz
Dadurch entstehen je nach Rezept helle bis bernsteinfarbene Biere mit unterschiedlichen Malzaromen.
Trübung
Die natürliche Trübung entsteht vor allem durch:
Hefezellen Eiweißstoffe Polyphenole andere Schwebstoffe
Die genaue Stärke der Trübung hängt vom Herstellungsverfahren und vom Alter des Bieres ab.
Ein Kellerbier kann daher von leicht opal bis deutlich trüb erscheinen.
Hefe im Kellerbier
Da Kellerbier nicht vollständig filtriert wird, kann ein Teil der Hefe im fertigen Bier verbleiben.
Dies kann zu:
Hefearomen einem weicheren Mundgefühl zusätzlicher Trübung
beitragen.
Die Hefe kann außerdem einen kleinen Teil der verbleibenden Zucker weiter vergären, insbesondere wenn das Bier entsprechend abgefüllt und gelagert wird.
Kohlensäure
Kellerbier besitzt häufig eine moderate bis mittlere Kohlensäure.
Im Vergleich zu stark karbonisierten industriellen Lagerbieren kann es dadurch weicher und weniger spritzig wirken.
Die genaue Kohlensäuremenge hängt von Brauverfahren, Lagerung und Ausschank ab.
Alkoholgehalt
Kellerbiere besitzen häufig einen Alkoholgehalt von ungefähr 4,5 bis 5,5 Vol.-%.
Es existieren jedoch auch leichtere und stärkere Varianten.
Der Alkoholgehalt hängt von Stammwürze und Vergärgrad ab.
Lagerung
Die Lagerung ist ein zentraler Bestandteil der traditionellen Kellerbierherstellung.
Nach der Hauptgärung reift das Bier bei niedrigen Temperaturen über einen längeren Zeitraum.
Dabei können sich:
Hefearomen Schwefelverbindungen Kohlensäure Geschmacksstoffe
verändern beziehungsweise abbauen.
Durch die Lagerung wird das Bier geschmacklich runder und harmonischer.
Kellerbier und Lagerbier
Kellerbier ist eng mit der Gruppe der Lagerbiere verbunden.
Der entscheidende Unterschied liegt vor allem in der Behandlung nach der Lagerung.
Ein klassisches Lagerbier wird häufig filtriert und teilweise pasteurisiert.
Kellerbier wird dagegen traditionell direkt aus dem Lagerkeller ausgeschenkt und nicht vollständig filtriert.
| Merkmal | Kellerbier | Klassisches filtriertes Lagerbier |
|---|---|---|
| Gärung | Meist untergärig | Untergärig |
| Filtration | Meist keine vollständige Filtration | Häufig filtriert |
| Trübung | Häufig vorhanden | Meist klar |
| Hefe | Teilweise vorhanden | Weitgehend entfernt |
| Geschmack | Häufig kräftiger und ursprünglicher | Häufig sauberer und neutraler |
| Haltbarkeit | Häufig geringer | Häufig höher |
Kellerbier und Zwickelbier
Kellerbier und Zwickelbier werden häufig als Synonyme verwendet.
Traditionell bezeichnet Zwickelbier jedoch insbesondere das Bier, das über einen Probehahn aus dem Lagertank entnommen wird.
Kellerbier ist dagegen stärker mit dem direkten Ausschank aus dem Lagerkeller verbunden.
In der modernen Bierwelt sind die Grenzen zwischen den Begriffen jedoch fließend.
Kellerbier und Helles
Kellerbier kann auf einem ähnlichen Grundrezept wie ein Helles basieren.
Ein filtriertes Helles ist jedoch klar und besitzt typischerweise ein sehr sauberes Erscheinungsbild.
Ein Kellerbier kann dagegen durch die enthaltene Hefe und andere Schwebstoffe naturtrüb sein.
Auch geschmacklich kann Kellerbier kräftiger und ursprünglicher wirken.
Kellerbier und Zwickl
In Österreich wird der Begriff Zwickl ebenfalls für naturtrübe, ungefilterte Biere verwendet.
Der Begriff ist eng mit der traditionellen Entnahme von Bier aus dem Lagerkeller verbunden.
Je nach Region und Brauerei können sich die konkreten Bierstile jedoch unterscheiden.
Ausschank
Kellerbier wird traditionell möglichst frisch ausgeschenkt.
In Franken wird es häufig direkt im Biergarten oder in der Brauereigaststätte serviert.
Traditionelle Ausschankgefäße sind beispielsweise:
Seidla Krüge Gläser Steinkrüge
Das klassische fränkische Seidla fasst typischerweise etwa einen halben Liter.
Bierkeller und Biergarten
Der Begriff Kellerbier steht in engem Zusammenhang mit den historischen fränkischen Bierkellern.
Diese Keller wurden häufig in Sandstein oder Fels angelegt und dienten zur Lagerung des Bieres.
Über den Kellern entstanden teilweise Biergärten, in denen das dort gelagerte Bier direkt ausgeschenkt wurde.
Dadurch entwickelte sich eine besondere Verbindung zwischen:
Bierkeller → Lagerung → Kellerbier → Biergarten
Diese Tradition ist bis heute insbesondere in Franken sichtbar.
Serviertemperatur
Kellerbier wird üblicherweise gut gekühlt serviert.
Eine Temperatur von ungefähr 6 bis 10 °C eignet sich für viele Varianten.
Zu kaltes Bier kann die Malz- und Hefearomen unterdrücken.
Die optimale Temperatur hängt jedoch vom jeweiligen Bier ab.
Speisenbegleitung
Kellerbier passt aufgrund seines ausgewogenen Malz- und Hopfencharakters zu vielen traditionellen Gerichten.
Geeignet sind beispielsweise:
Bratwurst Schweinebraten Schäufele Brotzeit Wurstsalat Obatzter Käse gegrilltes Fleisch deftige fränkische Küche
Die moderate Bittere kann dabei fettige und kräftige Speisen ausbalancieren.
Moderne Kellerbiere
Heute bieten sowohl kleine als auch größere Brauereien Kellerbiere an.
Moderne Varianten können sich deutlich voneinander unterscheiden.
Mögliche Interpretationen sind:
helles Kellerbier dunkles Kellerbier Kellerpils Kellerweizen hopfenbetontes Kellerbier naturtrübes Lagerbier
Dabei wird der Begriff teilweise auch für Biere verwendet, die zwar naturtrüb sind, aber nicht exakt der historischen Kellerbiertradition entsprechen.
Bekannte Eigenschaften auf einen Blick
| Eigenschaft | Typisch für Kellerbier |
|---|---|
| Bierstil | Kellerbier |
| Herkunft | Deutschland, besonders Franken |
| Gärung | Meist untergärig |
| Filtration | Ungefiltert bzw. nicht vollständig filtriert |
| Erscheinungsbild | Häufig naturtrüb |
| Farbe | Hellgelb bis bernsteinfarben |
| Alkoholgehalt | Häufig ca. 4,5–5,5 Vol.-% |
| Körper | Leicht bis mittel |
| Bittere | Leicht bis moderat |
| Geschmack | Malzig, frisch, würzig, leicht hefig |
| Ausschank | Traditionell direkt aus dem Lagerkeller |
| Region | Besonders Franken |
Siehe auch
Bier Bierstile Biersorten Lagerbier Untergäriges Bier Helles Pils Märzen Zwickelbier Zwickl Bierkeller Biergarten Franken Bierherstellung Lagerung Filtration Pasteurisierung Hefe Gerstenmalz Hopfen